Vortragsreihe zum amerikanischen Straf- und Strafverfahrensrecht

In Kooperation mit  Brian Hill ("Superior Court of California judge") fand zwischen dem 05. und dem 20. Juni 2017 eine Vortragsreihe zum amerikanischen Straf- und Strafverfahrensrecht statt.

Superior Court of California judge Brian Hill und former district attorney's chief assistant Pat McKinley

 

"Judge Brian Hill is back home in Santa Barbara after teaching American
Criminal Law at Bielefeld Law for two weeks! Thank you and see you again
next year, Brian!"

Kolloquium Methodenlehre zwischen Wissenschaft und Handwerk

Die Methodenlehre als zentraler Bestandteil der juristischen Ausbildung und der Rechtspraxis? Die Juristische Methodenlehre als das, was die Rechtswissenschaft zur Wissenschaft macht oder (nur) Handwerk(-skunst)?

Am 24.03.2017 brachte Prof. Dr. Susanne Hähnchen neun Referenten und viele Interessierte aller Altersgruppen, Denkschulen und aus der Praxis zusammen, um an einem schönen akademischen Tag über die Methodenlehre ins Gespräch zu kommen.

Nach Worten der Begrüßung von Dekan Prof. Dr. Andreas Ransiek, LL.M (Berkley), und von Prof. Dr. Susanne Hähnchen, eröffnete Prof. Dr. Gerhard Otte mit einem anspruchsvollen Vortrag „Zur Abhängigkeit der (Rechts-)Wissenschaft von der Aristotelischen Logik“ das Kolloquium. Es folgte Prof. Dr. Klaus Adomeit, der seine Diskussion mit Franz Jürgen Säcker über den Charakter juristischer Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen philosophischer Unentscheidbarkeit und faktischem Entscheidungszwang schilderte.

Nach einer anregenden Diskussion und kurzer Kaffeepause thematisierten Prof. Dr. Sebastian Martens, M.Jur. (Oxon.), und Prof. Dr. Heinrich Honsell die Reflexion über juristische Methoden; ersterer wählte Matthaeus Gribaldus als Anknüpfungspunkt, während letzterer den Bezug zur Rhetorik herstellte.

Gemeinhin heißt es, dass jedenfalls das Rechnen nicht zur Handwerkskunst von Jurist*innen gehöre; man sagt: „iudex non calculat“. Prof. Dr. Uwe Wesel zeigte, woher dieser Ausspruch tatsächlich stammt und klärte über anzutreffende Irrtümer diesbezüglich auf.

Das Bedürfnis nach Austausch und Gesprächen im kleineren Kreis konnte während einer Mittagspause im Restaurant des Veranstaltungsortes, Waldhotel Brand´s Busch, gestillt werden. Im nächsten Block stellten Prof. Dr. Detlef Leenen sowie Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Rüthers ihre Antworten auf die Fragen nach der Verbindlichkeit von Auslegungskriterien dar. Die anschließende Kontroverse war nicht nur Ausdruck der in Streit stehenden grundlegenden Ansätze, sondern bewies zugleich, dass gerade der Diskurs der beste Weg des Erkenntnisfortschritts ist.

Abschließend rundeten Prof. Dr. Karl Riesenhuber mit Grundlegendem zur Rechtsvergleichung und deren Bedeutung für die Methodik der Rechtswissenschaft sowie Dr. Lena Kunz, LL.M (UChicago), zum Zentralbegriff der Zurechnung im Zivilrecht und der Rezeption der Arbeiten von Karl Larenz dazu die Tagung ab.

Bilanzierend ist nach einer gelungenen Veranstaltung festzuhalten, dass die juristische Methodenlehre, welche Antworten (Plural!) auf gestellte Auslegungsfragen zu geben vermag, einerseits Kennzeichen der Jurisprudenz als Wissenschaft, andererseits das Verbindungsstück zur Rechtspraxis, also dem Handwerk von Jurist*innen herstellt. Dass Grundlagenfächer im Allgemeinen, die Methodenlehre im Besonderen, oftmals als nur randständig betrachtet werden, ist daher nicht nur schwer begreiflich, sondern geradezu unverantwortlich.

Autoren: Marco Birkholz und Christoph Lachner

Prof. Dr. Markus Artz ist neuer Vorsitzender des Deutschen Mietgerichtstags

Der Deutsche Mietgerichtstag wurde 1997 von interessierten Mietrechtsjuristen aller beruflichen Fachrichtungen gegründet und hat sich zu dem zentralen rechtswissenschaftlichen Forum des deutschen Mietrechts entwickelt. In jedem Frühjahr findet der Deutsche Mietgerichtstag in der Dortmunder Westfalenhalle statt. Dort treffen sich mehr als 400 Juristen aus allen beruflichen Fachrichtungen für zwei Tage, um aktuelle Fragen des Mietrechts, des Prozessrechts und weiterer angrenzender Rechtsgebiete zu diskutieren. Im Herbst findet an wechselnden Orten eine weitere wissenschaftliche Tagung statt, 2017 in Hamburg. Für Studierende und Referendare organisiert der Deutsche Mietgerichtstag alle zwei Jahre eine Herbstakademie in Berlin.

Seit seiner Gründung wurde der Deutsche Mietgerichtstag von Dr. Ulf Börstinghaus, Richter am Amtsgericht Dortmund und mittlerweile Honorarprofessor an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld, geführt. Die Mitgliederversammlung wählte am Samstag, dem 25. März 2017, Dr. Markus Artz, Lehrstuhlinhaber in Bielefeld und Leiter der Forschungsstelle für Immobilienrecht, einstimmig zu seinem Nachfolger. Der nächste Mietgerichtstag findet am 16. und 17. März 2018 in Dortmund statt.

Vortrag von Prof. Dr. Paul Mevis (Erasmus Universität Rotterdam) am 21.02.2017

Vortragsveranstaltung

Am 21. Februar 2017 hielt Prof. Dr. Paul Mevis (Erasmus Universität Rotterdam) an der Fakultät für Rechtswissenschaft einen Vortrag zum Thema

"Ärztliche Sterbehilfe in den Niederlanden: 
Entstehung, Erfahrungen, Diskussionen und neue Entwicklungen" 

V.l.n.r.: Andreas Ransiek (Dekan der Fakultät), Michael Lindemann, Paul Mevis

Professor Mevis, der Mitglied der Kommission „Voltooid leven“ („The Completed Life“) war, die sich im Auftrag der niederländischen Regierung mit Grenzfragen der Sterbehilfe beschäftigt hat, berichtete über die historischen Hintergründe des niederländischen Sterbehilfegesetzes und aktuelle Streitfragen. Neben der von der Kommission behandelten Fallgruppe älterer Menschen, die mit dem Leben abgeschlossen haben und deshalb Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollen, werden etwa auch die Voraussetzungen und Grenzen von Sterbehilfe bei Demenzkranken und Patienten mit einer psychischen Erkrankung (häufig chronische Depressionen) intensiv diskutiert. Professor Mevis vermittelte ein sehr differenziertes und vielschichtiges Bild des niederländischen Modells, welches die Grundlage für eine anregende Diskussion im Anschluss an den Vortrag bildete.

Workshop zur Datenschutzgrundverordnung am 06./07.02.2017

Die interdisziplinäre Veranstaltung (Organisation: Gusy/Eichenhofer/Weiler) unter Beteiligung von Informatikern, Rechts- und Sozialwissenschaftlern diskutierte mit 10 Rereferent/inne/n aus Theorie und Praxis über den Schutz der Privatsphäre, der informationellen Selbstbestimmumng und der IT-Sicherheit im Internet. Anlass waren Rechtssetzungs- und -durchsetzungsfragen der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung, die 2018 in Kraft treten wird. Mit Praktikern aus Anwaltschaft und Ministerialverwaltung wurden aktuelle Umsetzungs- und  zukünftige Rechtsprobleme erörtert und Lösungsalternativen entwickelt.

Bericht und Vortrag von Murat Kurnaz und Bernhard Docke am 14.12.2016

audimax

Am 14.12.2016 platzte das Audimax aus allen Nähten.

Die Amnesty International Hochschulgruppe und die Fachschaft Jura hatten den ehemaligen Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz und seinen Rechtsanwalt, den Bremer Strafverteidiger Bernhard Docke, in die Uni Bielefeld eingeladen. Vor rund 1500 Besuchern ordnete Bernhard Docke, der maßgeblich für die Befreiung von Murat Kurnaz verantwortlich ist, zunächst die Geschehnisse in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht ein. Kurnaz, der von 2002-2006 unschuldig und ohne Anklage im US-Internierungslager Guantánamo gefangen gehalten und gefoltert worden war, stellte sich anschließend den Fragen der Besucher. Keine dieser Fragen war ihm zu persönlich. Er schilderte geduldig und detailliert, auf welche Arten er gefoltert wurde, woran er dachte und wovon er träumte.

Murat Kurnaz hat, wie er während der Veranstaltung berichtete, die Erlebnisse in Guantánamo gut verarbeitet. Doch damit stellt er eine große Ausnahme dar. Die allermeisten Opfer von Folter tragen schwere psychische Schäden davon.


Die Befreiung von Murat Kurnaz hatte sich im Sommer zum zehnten Mal gejährt, doch sein Fall hat an Aktualität nicht eingebüßt. Den Veranstaltern war es ein Anliegen, gerade jetzt, in Zeiten, in denen die eine Seite, die Angst und Sorge vor Terroranschlägen in Europa, immer weiter Einzug in die Köpfe der Menschen hält, auch die andere Seite zu zeigen - einen Menschen, der im Rahmen eines vermeintlichen Antiterrorkampfes gefoltert, gedemütigt und der Freiheit beraubt wurde. Der Fall Kurnaz zeigt, wie leicht der Kampf gegen den Terror zur Verletzung fundamentaler Menschenrechte führen kann.
Die Amnesty International Hochschulgruppe und die Fachschaft Jura bedanken sich für das überwältigende Interesse und die vielen Fragen während der Veranstaltung.

Impressionen



Organisatoren: Amnesty International Hochschulgruppe Bielefeld und Fachschaft Jura
 

Deutscher Juristentag 2016

Vom 13. bis 16. September 2016 fand der 71. Deutsche Juristentag (DJT) statt. Alle zwei Jahre kommen zu dieser Großveranstaltung Juristinnen und Juristen aus allen Teilen der Bundesrepublik und allen Berufsgruppen. In diesem Jahr wurde im Vorfeld besonders um den Nachwuchs geworben. Deshalb machten sich zwei Seminargruppen der Bielefelder Fakultät für Rechtswissenschaft unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Hähnchen sowie Herrn Prof. Dr. Weiler/Herrn Prof. Dr. Jacoby auf den Weg nach Essen.

Der Deutsche Juristentag e.V. ist ein Verein, dem rund 7000 Mitglieder angehören. Auf der Tagung werden vor allem aktuelle rechtliche Themen beleuchtet und diskutiert und es bietet sich gerade für Nachwuchsjuristen eine gute Chance für das Knüpfen von Kontakten.

Das Seminar von Frau Prof. Dr. Hähnchen hatte sich im Sommer mit dem Familienrecht beschäftigt und besuchte in Essen Referate zu aktuellen Themen wie der künstlichen Befruchtung, die dann nach einer Mittagspause mit dem Plenum diskutiert wurden. Es war sehr interessant, den Referaten und Diskussionen zu folgen, nachdem man sich im Seminar mit den Themen selbst intensiv schon auseinandergesetzt hatte.


Zum Abschluss gab es noch eine Diskussion mit den Referenten, dem Gutachter und der Vorsitzenden der Abteilung, Frau Prof. Dr. Dethloff, die extra für die Studierenden veranstaltet wurde. Mit einem gemeinsamen Abendessen ließen wir den Tag dann in der Essener Innenstadt ausklingen.

Die von Prof. Dr. Jacoby und Prof. Dr. Weiler betreute Seminargruppe nahm an der Abteilung Zivilrecht teil und hörte Referate zum Thema "Digitale Wirtschaft – Analoges Recht – Braucht das BGB ein Update?"

Alles in allem war es ein sehr gelungener und lehrreicher Ausflug. Solche über das „normale“ Studium hinausgehenden Gelegenheiten sollte sich künftig niemand entgehen lassen.

Bielefelder Rechtsgespräche

Die Bielefelder Rechtsgespräche der Fakultät für Rechtswissenschaft wurden 2009 zum ersten Mal von Heribert Prantl organisiert. Etwa einmal pro Semester lädt er in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Rechtswissenschaft hochkarätige Gäste aus Wissenschaft, Politik und Zeitgeschehen zur Diskussion aktueller gesellschaftpolitischer Themen ein.

Hier finden Sie Informationen zu den zurückliegenden Veranstaltungen:

Vortrag von Rechtsanwalt Johann Schwenn zum Kachelmann-Prozess

Der Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn war am 7. Dezember 2011 auf Einladung des Instituts für Anwalts- und Notarrecht zu Gast in Bielefeld und hielt einen Vortrag mit dem Titel „Der Kachelmann-Prozess: Legende und Wirklichkeit“.
     
  Das Interesse der Studierenden war gewaltig: Der Hörsaal 4 der Universität war bis auf den letzten seiner über 400 Plätze belegt. Johann Schwenn berichtete zunächst vornehmlich über Geschehnisse des Strafverfahrens gegen seinen Mandanten Jörg Kachelmann, die zum Teil in der medialen Berichterstattung in Vergessenheit geraten waren. Dabei wies er auf massive Beeinträchtigungen des Verfahrens durch Medieneinflüsse hin. Weiter ging er auf die Aufgaben der Verteidigung in einem Strafverfahren ein.
Von übergeordneter Bedeutung sei hier der Kampf um das Recht. Damit machte der Vortrag deutlich, dass zwingende Voraussetzung für eine gute Verteidigung umfassende Kenntnisse im Bereich des Strafrechts – vor allem auch des  Strafprozessrechts – sind. Einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags bildete die Bedeutung und Rolle von Sachverständigen im Strafverfahren.
Besonders hervorzuheben ist außerdem, dass Schwenn sich bei seinen Ausführungen stets an die Studierenden richtete und ihnen seinen Vortrag mit strafprozessualen Erläuterungen, auch anhand höchstrichterlicher Rechtsprechung, verständlich machte.
Im Anschluss an den Vortrag stellte sich Schwenn in einer offenen Diskussion den zahlreichen Fragen der Studierenden.

 

© 2017 Fakultät für Rechtswissenschaft » geändert 19.05.2017 von Jan-Hendrik Haus

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