Kompakt-Infos

„... weil er für die Allgemeinheit gefährlich ist!“
Prognosegutachten, Neurobiologie, Sicherungsverwahrung

 

Die Tagung wurde von knapp 100 Wissenschaftlern und Praktikern aus der Justiz, der forensischen Psychiatrie/Psychologie und der Rechtsanwaltschaft besucht.

Verfahrenstage Am Vormittag des ersten Veranstaltungsstages führten drei Plenarvorträge zu einer ersten interdisziplinären Bestandsaufnahme. Das erste Referat fragte nach dem Nutzen der Neurowissenschaften für das Strafrecht. Dem schloss sich ein kritischer Beitrag über die derzeitige Sicherheitsdebatte in der Kriminalpolitik an. Anstatt einer Strategie der Wiedereingliederung und Resozialisierung werde das kriminalpolitische Konzept der (dauerhaften) Ausschließung (vermeintlich) gefährlicher Straftäter favorisiert. Ein dritter Vortrag beschäftigte sich mit der Maßregel der Sicherungsverwahrung und den damit verbundenen Problemen von Prognosegutachten aus revisionsrechtlicher Sicht. Am Nachmittag wurden drei Arbeitsgemeinschaften mit den thematischen Schwerpunkten „Sicherungsverwahrung“, „Prognosegutachten“ und „der freie Wille des Straftäters“ gebildet. In den Arbeitsgruppen wurden die jeweiligen Themenbereiche interdisziplinär beleuchtet. Eine Vielzahl von einzelnen Fachvorträgen bildete die Grundlage für eine vertiefte Diskussion über aktuelle Defizite und Stärken der jeweiligen Problemschwerpunkte.

Der zweite Tagungstag wurde mit Berichten über die wesentlichen Ergebnisse aus den Arbeitsgemeinschaften eingeleitet. Daran schlossen sich zwei Plenarvorträge an: Zunächst wurde nach dem Stellenwert gefragt, den die Techniken der sog. bildgebenden Verfahren zur Diagnose und Erklärung kriminellen Verhaltens in der Zukunft einnehmen können. Lassen sich nachweisbare hirnorganische Besonderheiten beim gefährlichen Straftäter feststellen? Sind in absehbarer Zukunft unter Anwendung neurobiologischer Verfahren verlässliche Diagnosen über eine Wiederholungsgefahr beim Delinquenten denkbar? Ein zweiter Beitrag wies auf die zunehmende Vernachlässigung kriminologisch-sozialwissenschaftlicher Ansätze bei der Straftäterbehandlung sowie auf die damit verbundenen Folgen für unsere Gesellschaft hin. Die Tagung wurde am Nachmittag mit einer Podiums- und Plenumsdiskussion abgerundet; den Auftakt gaben die Statements eines Vertreters des Bundesministerium der Justiz, des Generalbundesanwaltes beim Bundesgerichtshofs, eines Vertreters der Rechtsanwaltschaft sowie einer Richterin am Bundesverfassungsgerichts. Es folgte abschließend eine rege und ertragreiche Diskussion über unseren derzeitigen Umgang mit Straftätern.

© 2017 Fakultät für Rechtswissenschaft » geändert 16.08.2011 von Juradmin Webmaster

Weitere Internetpräsenz